Die Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen beherbergt die nächsten fünf Monate genau ein Objekt. Das ist ungewöhnlich, aber dieses Objekt hat es dafür doppelt und dreifach in sich: In 7,5 Metern Höhe hat der britische Bildhauer Antony Gormley einen riesigen Zwischenboden installiert, der – rund 1200 Quadratmeter groß und 70 Tonnen schwer – von ein paar Stahlseilen an der Decke gehalten wird. Die mit speziellem Lack überzogene, schwarz spiegelnde und schaukelnd-schwebende Fläche kann von über zwei nicht mit dem Feld verbundene Treppen auf Socken oder barfuß betreten werden – was wir am Sonntag getan haben.

Der Schritt von der Brücke auf das »Horizon Field« ist ein Schritt ins Ungewisse. Auf dem schwarzen Feld spiegelt sich das Giebeldach der Halle und erweckt den Eindruck einer Wasseroberfläche über metertiefem, dunklen Grund. Steht man erst einmal mit beiden Füßen auf ihm, spielt die Raumwahrnehmung verrückt. Gibt der Boden nach? Schwankt er? Gibt es überhaupt einen Boden? Oder geht es unter den eigenen Füßen in die Tiefe, und man selbst spaziert hoch oben in der Luft durch den ver-rückten Raum? Nicht nur spiegelt sich die Decke auf dem Feld, auch die regelmäßig angeordneten Dachbalken erscheinen bald als Spiegelung, das Feld scheint gleichzeitig unbegrenzt und doch viel kleiner zu sein, als es eigentlich ist.

»Horizon Field Hamburg« wird die Wahrnehmung des Gehens, Fühlens, Hörens und Sehens umorientieren und neu verbinden. Diese persönliche bzw. kollektive Erfahrung wird durch Vibration, Sound und Widerspiegelung vermittelt werden. Das Projekt kann insgesamt als ein waagerecht im Raum aufgespanntes Gemälde aufgefasst werden, auf dem die Besucher zu Figuren auf einem freischwebenden und nicht definierten Grund werden. (Deichtorhallen)

Wie lange man sich auf dem »Horizon Field« aufhält, und was man dort tut, ist dem Besucher überlassen. Der nutzt die für einen Museumsbesuch ungewohnte und durchaus ungewöhnliche Freiheit zum Tanzen und Bodenturnen auf dem Objekt, fotografiert oder ruht sich sitzend oder liegend aus und lässt den Raum auf sich wirken. Durch die Spiegelung wird er dabei Teil des Kunstwerks, das sich durch die Interaktion der Besucher immer wieder neu gestaltet.

Das »Horizon Field Hamburg« ist noch bis Anfang September ohne Eintritt zu besuchen.

Info
Antony Gormley: »Horizon Field Hamburg«
Deichtorhallen Hamburg
27. April – 9. September 2012
Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr
Eintritt frei!

Links
Deichtorhallen
Horizon Field Hamburg
Antony Gormley

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1 Kommentar

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  1. Sehr schlimmes Personal, der Herr vorne spielte sich auf, als ob er das Kunstwerk erschaffen habe. Die Garderobenfrau genauso inkompetent. Niemand wollte oder konnte mir erklären warum ich nicht mit einen Spiegelreflexkamera fotografieren durfte, sehr wohl aber mit einer Kompaktkamera dieses passieren könne. Weder das Gewicht der Kamera noch der Umstand dass meine Kamera in einem speziellen Silikonmantel gegen jegliches Verschrammen oder ähnliches geschützt ist, ließ einen Besuch zu. Insbesondere der “Doorman” zeigte völlige Unverständnis. So läuft eine solche Ausstellung völlig gegen das Interesse des Künstlers.
    Das Argument der evtl Beschädigungen kann und will ich nicht gelten lassen. Dieses Verbot ist völlig willkürlich und nirgendwo schriftlich niedergelegt. Warum sollen hier Fotos gepostet werden, aber andererseits qualitätvolle Fotos unterbunden werden.
    Mir kommt der Verdacht, dass man hier nur den Verkauf seiner Devotionalien ankurbeln möchte.