Luke wer?

von Lili Hartwig

Neulich habe ich mit einer Gruppe von Freunden eine Art Charade gespielt. Dabei kam heraus, dass eine meiner ältesten Freundinnen noch nie Star Wars gesehen hat. Nicht nur das – sie wusste weder wer Darth Vader ist, noch kannte sie die Bedeutung des Satzes »Luke, ich bin dein Vater.«

Aber ich war weniger vom Nicht-Gesehen-Haben der Filme überrascht. Vielmehr war es für mich eigentlich unvorstellbar, dass sie es trotz eines nicht unerheblichen Medienkonsums geschafft hatte, den wohl kleinsten gemeinsamen Nenner der Populärkultur zu umgehen. Denn Star Wars ist Teil unseres geteilten Kulturguts: Luke Skywalker ist die moderne Inkarnation des klassischen Helden, Darth Vader der sinnbildlichen Bösewicht und Chewbacca der beste Sidekick ever. Wie schon aus den Märchen und Sagen zuvor (und was wäre Star Wars wenn nicht das) bedienen wir uns aus dem Fundus der populären Kultur, um die Welt besser verstehen zu können und um gemeinschaftliche Beziehungen auszuhandeln.

Unglücklicherweise gibt es zwischen Han Solo und Robin Hood einen bemerkenswerten Unterschied – die Crew des Millennium-Falken gehört einer einflussreichen Firma in Südkalifornien, die immer ein Auge darauf hat, was wir mit ihrem Eigentum gerade anstellen. Aber das war zum Glück immer schon vielseitig und lebhaft.

Wie wohl kaum ein anderes Hollywood-Franchise schafft es Star Wars immer, neue Generationen von Fans zu rekrutieren (dank Lego), seine treuen Fans zu binden und weltweit Menschen zu eigenen kreativen Abenteuern zu bewegen. Vielleicht liegt es an der unendlichen Auswahl von Merchandising, die zum Spielen, Basteln und Weiterdichten anregt. Vielleicht ist es auch das umfassende fiktionale Universum, das Nischen und Leerstellen lässt, die mit neuen Geschichten gefüllt werden können. Vielleicht ist es die fanatische Liebe und Hingabe an Lucas Werk, die Fans inspiriert ihren Beitrag zum Star Wars-Universum zu leisten.

Sicher ist, dass Star Wars tief in unserem kollektiven Referenzsystem eingewoben ist. Verweise auf Stormtrooper, R2-D2 und »die Macht« sind mit einem Kontext verbunden, den wir Zuschauer als popkulturelle Orientierungshilfe beim Lesen eines Medientextes anwenden. Anders gesagt, unsere Vertrautheit mit den Symbolen, Zeichen und Mythen von Star Wars eröffnet uns einen Zugang in eine Vielzahl von anderen Geschichten, Videos und Medienprodukten. Star Wars wird angeeignet, transformiert, kommentiert und neu interpretiert.
Wenn man aber das Original nicht kennt, dann wird man all dies nicht erkennen und sich bei den folgenden Videos irritiert fragen, womit andere ihre Zeit verbringen. Für den Rest von uns steckt in jedem dieser Filme ein Stück geteilter Mediensozialisation, einen neuen Einblick in die Welt von Star Wars und seinen Fans und Spaß am Entschlüsseln der Verweise. In diesem Sinne: Möge die Macht mit euch sein!

(Wer sich übrigens mehr für die Entwicklung der Star Wars-Fanfilmkultur interessiert, dem sei Henry Jenkins Aufsatz »Quentin Tarantino’s Star Wars?«  empfohlen, der überarbeitet auch in seinem sehr lesenswerten Buch »Convergence Culture« erschienen ist.)

George Lucas in Love
Ein »Shakespeare in Love«-Mash-Up

Star Wars Help Desk
Auch auf dem Death Star muss es so etwas geben.

Death Star over San Fransisco
In a Galaxy not far away…

Außerdem:

Star Wars / MacGyver Opening
Nostalgie.

Lego – The Force Unleashed
Episches Laserschwertduell und Legos.

‘Star Wars (John Williams Is The Man)’ a cappella tribute medley
Achtung Ohrwurmgefahr!

 Premakes The Empire Strikes Back (1950)
Vielleicht war Star Wars gar nicht so innovativ wie gedacht.

The Force: Volkswagen Commercial
Dies war die Volkswagen Werbung zum Superbowl 2011. Leider so gut, dass ich sie trotz Kommerzhass nicht auslassen möchte.

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1 Kommentar

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  1. Cool, cool, cool. Noch schnell gesagt: Bei “Lego – The Force Unleashed” & “Premakes The Empire Strikes Back (1950)” sind die Links falsch gesetzt. Danke & Grüße!