Die Berlin Music Week steht dieses Wochenende wieder an und damit eine große Feierzeremonie des Standortfaktors Musik- und Kreativwirtschaft, nicht zu verwechseln mit Musikszenen. Das, was jeden September in Berlin der Repräsentation der lokalen und nationalen Musikwirtschaft dienen soll, hat schon viele Gesichter gehabt. Als die Popkomm 2004 von Köln nach Berlin übersiedelte, führte das nicht nur zum Entstehen der c/o pop in der Stadt, der Adé gesagt wurde. Im Laufe der Jahre verlor die von Dieter Gorny initiierte Musikmesse an Relevanz und so entstand 2010 das Format der Berlin Music Week, nachdem die Popkomm im Jahr zuvor kurzfristig abgesagt wurde.

Bei all diesen Veranstaltungen geht es natürlich um Standortmarketing, repräsentative Veranstaltungen, Business2Business. Oder um es in den Worten der Berlin Music Week zu sagen: um das »Standing Berlins als internationaler Hotspot im People Business Musik«. Das ist allerdings nicht so schlecht wie es klingt: unter all den Vorträgen, Panels und Workshops finden sich auch Themen, die den Fokus auf MusikerInnen legen. Zum Beispiel geht es um Finanzspritzen für den Nachwuchs, soziale Sicherung im Alter und innovative Förderprogramme. Interessanterweise ist im Programm lediglich eine Veranstaltung zu finden, die sich mit der aktuellen GEMA-Problematik auseinandersetzt.

Was kommt dabei aber für die Leute rum, die den größten Teil ihrer Freizeit damit verbringen, die Existenz lokaler Szenen zu sichern? Die mit ihren Bands, Labels, Konzertreihen und Partys Musik abseits von (inter-)nationaler Vermarktung geschehen lassen und somit unverzichtbar für das soziale und kulturelle Stadtleben sind? Oder die, die daran anknüpfen und das alles weiterführen wollen und keine 88 Euro für das Ticket über haben? Für die gibt es zum Glück seit 2009 eine Alternative zum B2B-Zirkus, die man sich bei 10 Euro Eintritt auch gut leisten kann – die a2n-Werkstatt.
Die kann man auch als positives Nebenprodukt der Popkomm bezeichnen – der all2gethernow e.V. wurde im Sommer 2009 als Reaktion auf die Absage der gealterten Musikmesse gegründet, und hat damit eine Lücke geschlossen. Mittlerweile Partner der Berlin Music Week, richtet sich die a2n eben an oben beschriebene Zielgruppe. Independent-KünstlerInnen und Leute, die sich dem DIY verschrieben haben. Man könnte sagen, da gibt es doch eh schon Netzwerke. Doch Workshop-ähnlicher Wissensaustausch findet selten vor und im Club statt. Insofern: super Sache!

FOTO: a2n 2011 / Tonaufnahme und Konzert zur gleichen Zeit, bei der a2n 2011

Sibsi von Fourtrack on Stage gibt Tipps zur Tourplanung, Produzent und Labelbetreiber Florian Schirmacher hält eine Einführung in das Programmieren von Drum Computern und Moses Schneider (produzierte u.a. die letzten drei Tocotronic-Alben) erklärt, was mein bei der Aufnahme im Proberaum beachten muss. Dazu gibt es Panels zum Thema Rechteverwertung, einen Crowdfunding-Workshopmarathon und und und.

So ein Programm kann Netzwerke schaffen, ohne dass man sich für Music-Soirées rausputzen muss. Statt langen Diskussionen über die grüne Zukunft der furchterregend virtuell-verorteten Branche, gibt es einen direkten Nutzen für Musikerinnen und Musiker. In Hamburg und Köln würde sich eine Werkstatt wie die a2n bestimmt auch gut machen, wenn das Clubsterben dem nicht zuvorkommt und Strukturen einreisst – seltsamerweise kaum Thema bei der Berlin Music Week. Vielleicht weil das erst 2013 in Großbuchstaben in Form des Berlin Music Boards auf die stadteigenen Fahnen geschrieben wird.

Unsere Gastautorin Luise ist mit ihrer Ankunft in Berlin im Fegefeuer zwischen Projektorganisation, Bandbooking und Musikjournalismus gelandet. Immer unterwegs um keine der stadtbewegenden Konzerte, Filme, Neueröffnungen und all der Dinge dazwischen zu verpassen, berichtet sie seit Juli 2011 für Affekt vom Kulturleben in der Hauptstadt und über deren Grenzen hinaus.

{lang: 'de'}

1 Kommentar

Kommentieren
  1. [...] *Vorbericht des Musikblogs “Affekt” vom 06. September 2012 über das Programm der all2get… [...]