
Winterzeit, Bestenlistenzeit. Ohne viel Vorgerede: Hier nun die wirklich besten Filme des herkömmlichen Kinobetriebs 2011! Viel Spaß und nicht vergessen: »The game is not just vulgar, it’s stupid. Yet we all love games.« (David Thomson)
Platz 10: »Tucker & Dale VS. Evil«
Ein drolliger zehnter Platz bevor es gleich allzu ernst wird. Tucker & Dale sorgten dafür, dass der Horrorfilm auch 2011 sein Lächeln nicht verliert und dieses Lächeln nicht zu blöd wird. Eine Parodie für volle Säle, Gejohle und gute Laune.
Eine Gruppe Teens fährt zum Feiern und Zelten in einsame Südstaatenwälder und entdeckt schnell, dass sie doch nicht ganz allein sind. Eine unheimliche Hütte, bewohnt von zwei Kettensägen schwingenden Hillbillys, wird rasch das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Die Kids beschließen, den vermutlich sadistischen Hinterwäldlern lieber den Garaus zu machen, bevor diese das Gleiche mit ihnen selbst tun können. Da die beiden Hillbillys, Tucker & Dale, allerdings die nettesten Typen der Welt sind, führen die Bemühungen der Teens zu einer Verkettung ziemlich schenkelklopfiger Missverständnisse. Tucker & Dale halten sich selbst jedenfalls für Opfer eines wahnsinnigen Selbstmordkultes.
Der Film lebt davon, dass wirklich sämtliche Dialoge und Handlungen doppelte Lesarten anbieten, und wir Zuschauer aus ihnen eine Dritte entschlüsseln müssen. Diese Form der Komik ist näher an »Some Like It Hot« als an »Scary Movie«-Schrott und macht »Tucker & Dale VS. Evil« zu der vielleicht besten Horror-Komödie seit »Shaun of the Dead«.
Platz 9: Liebesfilme (»Beginners« = »The Future« = »Copie conforme«)
Ein Mogelpackung von einem neunten Platz: Mike Mills brachte uns 2011 mit »Beginners« einen so zuckersüßen wie hippen Liebesfilm, der leider vor Sex halt machte, aber so vollgestopft war mit Schläue, dass einige seiner Ideen tatsächlich zündeten. Von Mike Mills Frau, Miranda July, kam dieses Jahr der allseits abgestrafte »The Future« (siehe Bild). Mal so sagen: Wer sich für Julys bisheriges Schaffen interessierte, der wird auch in »The Future« viel Lohnenswertes entdecken können. Für alle anderen, alle über 35 und alle, die bereits ein paar Jahre verheiratet sind, gab es dieses Jahr den hierzulande ziemlich untergegangenen »Copie conforme« (»Die Liebesfälscher«) des Iraners Abbas Kiarostami. Ein intellektuelles Rätsel zur Frage des Verhältnisses von Original und Kopie auf Französich, Italienisch und Englisch, mit Juliette Binoche und William Shimell vor toskanischer Kulisse. In fließenden Übergängen spielen die zwei verschiedene Möglichkeiten von Beziehung zwischen Frau und Mann durch. Zu allem Überfluss ist das alles auch noch leicht, elegant und gar nicht so bieder wie es hier jetzt klingt. Lädt zum mehrmaligen Gucken ein.
Platz 8: »Tyrannosaur«
Das englische Kitchen-Sink-Drama des Jahres. Den Working-Class-Man Joseph (Peter Mullan) plagen Wut, Zorn und ein ausgeprägter Hang zur Selbstzerstörung. Eines Tages offenbart sich ihm eine Möglichkeit der Erlösung, die in Form der christlichen Wohltätigkeitsarbeiterin Hannah (Olivia Colman) auftritt. Schnell aber ist klar, dass es eigentlich Hannah ist, die Hilfe braucht.
Paddy Considines Regiedebüt unterscheidet sich vor allem im Detail vom Arthouseinerlei des sozialrealistischen Dramas und findet trotz all seiner rohen Kraft und bisweilen schockierenden Wendungen immer wieder einsichtige Ruhepunkte, in denen er das Konkrete überwindet und eine allegorische Größe gewinnt: Aschfahler Himmel, tote Bäume im Garten, Höllenhunde in der Nachbarschaft und Hass, Hass, Hass und Vergebung.
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