Bei den Filmfestspielen von Venedig feierte Darren Aronofskys »Black Swan« im Herbst letzten Jahres Premiere. Der Film zeigt uns Natalie Portman in der Rolle, in der wir sie vor unserem inneren Auge schon immer sahen: als perfektionistische Künstlerin. Sie tanzt nun als Primaballerina ab Donnerstag auch in den deutschen Kinos. Unser Gastautor Ole von artifarti hat den Film schon gesehen.

Den Golden Globe hat sie am vergangenen Wochenende schon gewonnen, und es wäre eine große Überraschung, bekäme sie in einem Monat nicht auch noch einen Oscar als beste Hauptdarstellerin: Natalie Portman spielt in ihrem neuen Film »Black Swan«, der pünktlich zu den Verleihungen der wichtigsten Filmpreise diesen Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, wohl die Rolle ihres Lebens. Denn mit Nina Sayers, der von Portman verkörperten Ballett-Tänzerin, die alles daran setzt, die neue Primaballerina in Tschaikowskys »Schwanensee« zu werden, hat Regisseur Darren Aronofsky weit mehr als eine tragische Figur entworfen, die uns die Qualen und Opfer professioneller Tänzerinnen vor Augen führt, die ihre Körper über die Grenzen des Möglichen hinaus fordern und schinden.
Tatsächlich ist »Black Swan«, entgegen der landläufigen Besprechungen in den Feuilletons und Kinomagazinen, nur bedingt ein Film über das Tanzen. Er ist vielmehr Charakterstudie, ein Kammerspiel, in dem die psychische Konstitution einer jungen Frau offen gelegt wird. Was man etwa als schonungslose Darstellung der Trainings- und Castingpraktiken beim modernen Ballett sehen könnte, entpuppt sich bei näherer Betrachtung nur als Folie, auf der die Konflikte einer adoleszenten Frau sichtbar werden.
Will heißen: In Tschaikowskys »Schwanensee«, in dem nach dem Willen des Dramaturgen in »Black Swan« (Vincent Cassel) die Primaballerina sowohl den Part des unschuldig-weißen als auch des verführerischen schwarzen Schwans interpretieren soll, spiegelt sich zuvorderst der faustische Kampf des Guten gegen das Böse wider, der im Inneren eines jeden (jungen) Menschen ausgefochten wird.
Zwar wird Nina mit der verführerischen Lily (Mila Kunis) eine potentielle Gegenspielerin an die Seite gestellt, die im Gegensatz zu Portmans Figur sowohl auf als auch hinter der Bühne den Black Swan par excellence verkörpert. Doch die beiden Frauen verbindet – zumindest seitens der Kontrahentin Lily – eher eine freundschaftliche Konkurrenz, die sich nur in Ninas psychischen Wahnvorstellungen zu einem Konflikt auf Leben und Tod zuspitzt.
Dennoch entwickelt »Black Swan« seine Ästhetik vor allem aus der Musik, dem Tanz und der perfekten Choreographie seiner Protagonisten, deren harmonisches Zusammenspiel immer wieder durch die diffusen Szenen konterkariert wird, die sich im alltäglichen Leben der Hauptdarstellerin abspielen. Der schwarz-weiße Kontrast, der sich leitmotivisch auf allen Ebenen des Films erstreckt, gipfelt in den schizophrenen Anfällen Ninas, die Portman mit einer selten gesehenen Sensibilität spielt.
Dem öffentlichen Raum des Ballett-Theaters, in dem Nina dem Idealbild des weißen Schwans entspricht, steht der private Raum gegenüber, eine enge und dunkle Wohnung, in der die Tänzerin zusammen mit ihrer Mutter (ebenfalls eine ehemalige und zudem gescheiterte Ballerina) lebt und leidet. In diesen teils phantastisch anmutenden Szenen, die introspektiv aus der Sicht Ninas erfahren werden und in denen es unmöglich ist, zwischen Einbildung und Wirklichkeit Ninas zu unterscheiden, entwickelt sich »Black Swan« zu einem Psychothriller, zu einem Horrorfilm, der aber im Gegensatz zu den Klassikern dieses Genres nicht die abgründige Phantasie des Zuschauers wecken will. Denn »Black Swan« zeigt buchstäblich alles: brechende Knochen, aufgekratzte Hautfetzen, abgerissene Fingernägel genauso wie blutende Ballerina-Füße.
Ein Film der leisen Töne ist »Black Swan« also nicht. Es geht rasant zu, viel rasanter und blutiger als es wohl jeder Ballett-Film je wäre. Mit dem ideellen Zentrum von »Black Swan«, der wirren Psyche der Nina Sayers, die zwischen den musterhaften Bildern des weißen und schwarzen Schwans wechselt, steigt und fällt der gesamte Film, der sich somit einer eindeutigen Zuordnung in Genres entzieht – und zugleich ein Quasi-Solo Natalie Portmans wird, das ihr nahezu perfekt gelingt.
Dies ist eine gekürzte Fassung des Textes zu »Black Swan« – die vollständige Version findet ihr bei artifarti.
Der Film läuft am Donnerstag, den 20. Januar 2011 in den deutschen Kinos an.

Foto: Affekt Blog | 2011
Bei unserem gestrigen Spaziergang durch die Ottenser Hauptstraße staunten wir nicht schlecht: Hier hat ein aufgebrachter Kioskbesitzer Konsequenzen aus der Sarrazin-Debatte und ihrer Berichterstattung in der Bild-Zeitung gezogen und das Blatt kurzerhand aus dem Programm genommen.
Ein Blick ins Internet zeigt, der Boykott läuft bereits seit Anfang September, der benachbarte Bäcker ist ebenfalls eingestiegen – und ein Ende ist nicht in Sicht. Dazu im Interview mit der taz (12.9.2010):
»Das lag an der Ausgabe mit Sarrazin auf dem Titel und dem, was man in Deutschland doch wohl noch sagen dürfe. Die Aussagen waren so extrem rassistisch, populistisch und ausländerfeindlich, dass ich daraufhin die Bild-Zeitung wutentbrannt aus dem Programm genommen habe.« (…) »Die Reaktionen der Kunden sind zu 99,5 % positiv. Und viele Passanten, die mein Plakat lesen, kommen rein, halten ein bis zwei Daumen hoch und gehen wieder raus.«
Dafür auch von uns: Ein bis zwei Daumen hoch.
Links
Boykott auf taz.de
Boykott im NDR

»Klub Katarakt 32: Im Mahlstrom« – unter diesem assoziationsreichen Titel findet vom 19. - 22. Januar 2011 ein spannendes Musik- und Klangfestival auf Kampnagel statt, für das wir uns freuen, zwei Karten verlosen zu dürfen:
»Der Mahlstrom in der Nähe der norwegischen Lofoten-Inseln ist spätestens seit Edgar Allan Poes A DESCENT INTO THE MAELSTRöM als riesiger, alles verschlingenden Schlund der Meere bekannt. Das Festival klub katarakt widmet sich einem musikalischen Gezeitenstrudel aus Klängen, die keinen Ursprung mehr zu haben scheinen; seine Wellen bestehen aus Resonanzen, Obertönen, Rückkopplungen und psychoakustischen Effekten. Ausgehend von der Ästhetik der New York-School, den Minimalisten oder europäischen Außenseitern wie Giacinto Scelsi präsentiert das kleinste aber feinste Hamburger Festival radikale ästhetische Positionen in erweiterten Formaten vom E-Gitarrenorchester-Konzert bis zum Tanztheaterstück THE BLOB – SCHRECKEN OHNE NAMEN.«
Wie schon im letzten Jahr veranstaltet die Mädchenmannschaft auch rückblickend auf 2010 wieder die Wahl zur Bloggerin des Jahres, um die vielen unterrepräsentieren Frauen in der Blogosphäre sichtbar zu machen und deren Vernetzung zu fördern. Gute Sache, bei der es allerhand tolle Seiten aus den unterschiedlichsten Sparten zu entdecken gab und gibt.
Letztes Jahr ging unter den 25 Nominierten mit Frau Liebe und ihrem DIY-Blog bereits eine unserer Favoritinnen als Gewinnerin ins Ziel und auch in diesem Jahr hat es einer unserer aktuellen Lieblingsblogs ins Finale geschafft, der auch unabhängig vom Stimmenfang hier eine kleine Vorstellung verdient hat. Drüberleben ist ein Projekt, das seit Mitte Oktober letzen Jahres läuft und das in dieser kurzen Zeit eine beachtliche Resonanz erfahren hat. Und das nicht ohne Grund. Denn die Autorin dieses Blogs, die 25-jährige Kathrin, ist seit neun Jahren depressiv und schreibt genau darüber, schonungslos. Über Tage, an denen Aufstehen und Zähneputzen als unmögliche Aufgaben scheinen. Über die Schwierigkeiten, die diese Krankheit im Alltag mit sich bringt; im Beruf, in der Liebe, im eigenen Kopf. Und über die Versuche, damit umzugehen, sei es mithilfe von Medikamenten, Therapeuten oder Schnaps.
»Depressionen sind doch kein Grund traurig zu sein! Ein Leben zwischen Psychiatrie, Dispo und Disko. Dokumentiert täglich in Bild, Text und Ton. drüberleben ist ein Blog-Projekt über eine junge Frau im Kampf gegen eine psychische Krankheit, über die viel geschwiegen wird – bis jetzt. drüberleben erzählt über Alltag und Klinik, über das Pathologisieren, klärt auf und will kämpfen. Gegen Vorurteile und Stille, gegen die Monster im Kopf und gegen sich selber. Auf in den Kampf!«
Wir halten Drüberleben für ein außergewöhnliches Blogprojekt, das – Wahl hin oder her – Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient.
Die weiteren neun nominierten Blogs inklusive Beschreibung und Link, sowie die Möglichkeit, noch bis Ende Januar eure Stimme abzugeben findet ihr auf der Seite der Mädchenmannschaft.
Links
Mädchenmannschaft
Drüberleben
Ach, ja. Fashionblogs – ein kontroverses Thema! Zu den bekanntesten gehört wohl The Sartorialist. Obwohl es sich dabei wohl eher um einen Fotoblog handelt, der, je nach Geschmack, gut gekleidete Menschen portraitiert. Hier geht es weniger um die Outfits von einer Figur, die diesen und jenen Designer trägt.
Nun hat ein großer Prozessorhersteller ein Video mit dem Macher Scott Schuman gedreht und das ist doch ganz hübsch geworden. Schuman erzählt eigentlich nur was er macht und wird dabei begleitet, wie er durch die Straßen New Yorks schlendert und die ein oder andere Aufnahme macht. Da uns zudem noch Spielereien mit Unschärfen gefallen, mögen wir dieses Video empfehlen.
Link
The Sartorialist
Liebe Leute!
Wir danken herzlichst für das gute Jahr. Das Schöne am Ende eines Jahres ist, dass binnen eines Wimpernschlags etwas Neues beginnt. Das lässt diesen ganzen Wechselwahn nichtig erscheinen. Kurz hält zwar kitschige Melancholie Einzug, aber in dem Wissen, dass es eine Nacht später überstanden ist, wird sie augenblicklich aus dem Weg geräumt und das ist gut so.
Dennoch können und wollen wir die Vorfreude nicht unterdrücken. Wir sind gespannt was passiert – ohne zu wissen was kommen mag. Das sollte eigentlich immer so sein.
Es gibt keinen Restart-, keinen Rewind- oder Fast Foward-Knopf. Alles hängt zusammen, fließt und verändert sich und die Perspektiven. Nutzen wird das, seien wir jederzeit offen für Gutes. Denn dieser Wechsel eines Datums ist menschgemacht und somit wenig mystisch. Lassen wir die Vorsätze für ein neues Jahr also sein, sondern greifen wir die Dinge an, wie sie passen und passieren und angebracht sind, vielleicht mit etwas mehr Nachdruck als sonst.
In diesem Sinne … auf ein gutes Leben!

Heidewitzka. Wenn der Pudel Geburtstag feiert, dann auch richtig. Allein das umfangreiche und ausnahmslos großartige Line-Up, das sich zum 21. der meist letzten und immer liebsten Anlaufstelle im Hamburger Nachtleben die Ehre gibt, würde die kleine Hütte am Hafen sprengen. Weshalb zur morgigen Gala »Operation Pudel 2010« in die Räumlichkeiten der Kulturfabrik Kampnagel geladen wird.
Los geht es schon ab 20 Uhr mit Konzerten von u. a. Ja, Panik und dem berüchtigten Pudel Apparat: Einer Allstar-Pudel-Supergroup, bei deren Auftritt im Februar 2009 Goldene Zitronen-Sänger Schorsch Kamerun Gedichte aus ins Deutsche übersetzen Scooter-Texten vortrug – man darf also mit allem rechnen. Um den Rest der Nacht kümmern sich stadtbekannte DJs aus dem Pudel-Umfeld, wie z.B. Richard von der Schulenburg, Rüftata110, Tex & Erobique, Ratkat & Superdefekt und Lawrence.
Der Eintritt kostet im VVK 12 Euro, an der Abendkasse 15 Euro. Es empfiehlt sich aber, sich nicht nur der 3 Euro (ein Bier mehr!), sondern auch des erwarteten Ansturms wegen am Besten heute noch um Karten zu kümmern.
Hier noch einmal das gesamte Line-Up im Überblick:
18. Dezember 2010
Live in der Halle k6 ab 20 Uhr
Ja, Panik
Salewski
Der Pudel Apparat feat. DJ Patex, Knarf, Viktor Marek, Jacques Palminger, Rica Blunk, Rocko Schamoni, Schorsch Kamerun, Maurice Summen, Hans Platzgummer, Texploid
Pudel Bar im Foyer, ca. 22-6 Uhr
RvdS
Upstart
Die Boys
Rüftata110
Phoung-Dan
Helena Hauff
Tex & Erobique
Ratkat & Superdefekt
Mit Schirm, Charme & Charlotte
Viktor Marek feat. Ashraf Sharif Khan
Bruno and Michel are Smilling & Skipperrr
Nachts im Club “oder plötzlich irgendwo” ab Mitternacht
Akufen
Atom ™
Lawrence
Wuppdekmisch
Kunst überall von Blackdata, Kaja Eichbaum, Alex Solman, Marcel Hüpauff u.v.m.
Links
Golden Pudel Club
Kampnagel
Pudel Bar im Foyer, ca. 22:00 – 06.00
RvdS
Upstart
Die Boys
Rüftata110
Phoung-Dan
Helena Hauff
Tex & Erobique
Ratkat & Superdefekt
Mit Schirm, Charme & Charlotte
Viktor Marek feat. Ashraf Sharif Khan
Bruno and Michel are Smilling & Skipperrr
Nachts im Club oder plötzlich irgendwo ab 00:00
Akufen
Atom ™
Lawrence
Wuppdekmisch
Kunst überall von
Blackdata, Kaja Eichbaum, Alex Solman, Marcel Hüpauff u.v.m…
Seit vergangenen Samstag bietet das Indie-Label Omaha Records, dass unter anderem Gisbert zu Knyphausen hervorgebracht hat, seinen neusten Sampler an, der gratis runterzuladen ist. Der Titel – politisch aktuell – lautet »Unterschottere mein Herz«. Mit dabei sind hauseigene Künstler wie daantje & the golden handwerk, Staring Girl, _pappmaché, Julian Gerhard und Herr Hund.
Hier die Playlist:
1. crime killing joker man – Divided Comedy
2. Tjian – Small Talk
3. Julian Gerhard – Bleib Bleib Bleib
4. daantje & the golden handwerk – woauchimmer
5. Café 612 – Ehrenwerter Mann
6. Schimmy Yaw – This Boy Is All Twisted Up Inside
7. You?Spy! – To Do List
8. Herr Hund – Throne Town
9. Staring Girl – Sieben Stunden und vierzig Minuten
10. Neerström – Im Russischen Schlafzug
11. Godot – Marvin Gaye
12. Elektrogrill – Recycling
13. _pappmaché – Ideologie
14. Nicolas Sturm feat. Virtual Nights – Caroline RMX
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