Während wir für immer jung bleiben, haben wir alternde Menschen im engeren Freundeskreis, mit denen wir an Küchentischen sitzen, ein Zigarettchen schmökern, das ein oder andere Gläschen Wein zu uns nehmen und dabei gerne mal klassischen Jazz oder geisteskranken Bebop hören. Wir mögen das sehr. Jazz ist irgendwie Erwachsenenmusik, aber mit einer Coolness und Zeitlosigkeit, die andere Genres missen lassen.
Heute beginnt das dreitägige »Überjazz Festival« auf Kampnagel, das auf vier Bühne 32 Künstler zeigt und das wir mit bestem Gewissen anempfehlen möchten.
»Überjazz möchte nicht nur zahllose unterschiedliche Spielarten des Jazz präsentieren, sondern dabei weit über Tellerränder gucken, verschiedenste Künstler und Publikumsgruppen mischen und nicht zuletzt auch jede Menge Musikliebhaber erreichen, die sich gar nicht als Jazz affin begreifen. Dabei werden ausgetretene Pfade ebenso gemieden, wie musikalische Beliebigkeit. Stattdessen werden Türen geöffnet und das in vielerlei Hinsicht.«
Das darf man sich geben. Wir empfehlen es sogar besonders auch dann, wenn man bisher nicht so viel mit dieser Musik zu tun hatet. Chilly Gonzales, Hauschka oder Jane Birkin – Namen, von denen unsere gutaussehende Leserschaft sicherlich schon einmal gehört hat, sind auch vor Ort. Lassen Sie sich darauf ein! Eine gute Investition!
Infos
Überjazz Festival auf Kampnagel
Jarrestraße 20
22303 Hamburg
28. bis 20. Oktober Programm in vier Sälen
30. Oktober ausschließlich Abschlusskonzert mit Pat Metheny Trio
Mit einer dreitägigen Auftaktveranstaltung startet heute die neue Hamburger Ausstellungsreihe »Offline«. Fotograf Conny Winter, der die Reihe ins Leben rief, hat für die erste Ausstellung, die unter der Überschrift »Nachbarschaft« läuft, verschiedenste Arbeiten befreundeter und bekannter Künstler gesammelt, darunter Fotografien, Illustrationen und Rauminstallationen.
Nach der Auftaktveranstaltung im LOKAL wird die Reihe in den öffentlichen Raum verlagert:
‘Offline’ zollt dem öffentlichen Raum Tribut: Alltägliche Orte wie Bolz-, Park- oder Spielplätze, Grünanlagen und Höfe sollen in neuem Licht erscheinen und müssen auf neuen Wegen betreten werden. Diese werden vornehmlich durch Bettlaken geschaffen, die an Wäscheleinen aufgehängt werden. An selbigen werden in regelmäßigen Abständen Arbeiten verschiedener junger Hamburger und anderen deutscher Künstler aufgehängt und ausgestellt. Sie verändern für die Dauer eines Tages die Wahrnehmung auf die Stadt und auf Kunst in der Stadt – und damit auch die Menschen im urbanen Lebensraum.
Los geht es heute mit Bier und Musik, morgen stehen Kurzfilme auf dem Programm, sowie am Freitag Lesungen. Ausstellung und Programm beginnen jeweils um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Info
Offline: Nachbarschaft
26. – 28. Oktober 2011, jeweils ab 19 Uhr
LOKAL (Max-Brauer-Alle 206, HH-Altona)
Eintritt frei
Natürlich war es Amazon. Wie ein Menetekel muss der Kindle 2007 vielen Mitmenschen vorgekommen sein. Die Tage des gedruckten Buches seien nun gezählt und ein neues Zeitalter, nämlich das des digitalen Lesens, werde eingeläutet. Wie ein Mantra wird, mit jedem neuen Entwicklungsschritt und auch zwischendurch, diese Formel heruntergebetet. Stationäre Buchhändler die erst heute anfangen, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie einem potentiell veränderten Kaufverhalten der Leser begegnen, sind meist die lautesten, wenn es darum geht zu klagen. So kalt es klingt, so hart es ist: Der Markt verzeiht es nicht, wenn man nur verwaltet, anstatt aktiv zu handeln. Print wird nicht sterben, es wird sich nur etwas ändern – und was das ist, dass kann man schon heute erahnen.
Wir gehen immer noch mit Freunden in Fotoautomaten, schneiden Grimassen und tragen das Ergebnis der Aktion in der Geldbörse mit uns herum. Wie viele digitale Bilderrahmen haben es in unsere Wohnungen geschafft? An den entlegensten Orten dieser Welt können wir inzwischen Mails schreiben und doch verschicken wir handgeschriebene Postkarten. Ach, und ganz zu schweigen von der Renaissance der Schallplatte. Es ist eben so, dass es knistern, klötern und rascheln muss, wenn es uns am Herzen liegt. Es muss Ecken und Kanten haben. Es muss sich mit der Zeit abnutzen. Es muss besonders sein. Es muss irgendwie menschlich sein.
Um Miranda July war es 2010 etwas stiller geworden, und da die amerikanische Allround-Künstlerin selten die Hände untätig in den Schoß legt, konnte dies nur als Zeichen konzentrierter Produktivität verstanden werden. Anfang des Jahres enthüllte July dann auf dem Sundance Film Festival, woran sie in den vergangenen Monaten gearbeitet hatte: Nach dem vielfach ausgezeichneten Debüt »Me And You And Everyone We Know« von 2005 hat sie sich entgegen ihres Vorhabens doch noch einmal für einen Spielfilm entschieden.
Herausgekommen ist ein Film, der ähnlich wie das Erstlingswerk zwischenmenschliche Beziehungen und die Positionierung ihrer Akteure im Leben in den Mittelpunkt stellt. Die beiden Hauptfiguren Sophie (deren Part wieder July selbst übernimmt) und Jason beschließen, eine verletzte Straßenkatze bei sich aufzunehmen, um mit diesem gemeinsamen Projekt ihren aus ungeliebten Jobs und eingeschlafener Beziehung bestehenden Alltag zu beleben. Ein Monat bleibt ihnen, bis die Katze genesen und bereit ist, bei ihnen einzuziehen. Die Verantwortung und die Einschränkungen, die die beiden nun durch die Fürsorge eines verletzten Tieres auf sich zukommen sehen, erlebt das Paar ähnlich der Zeit vor der Geburt eines Kindes und beschließt, diesen letzten Monat in Freiheit noch einmal voll auszukosten. Jobs werden gekündigt, geheime Leidenschaften ausgelebt – und was jetzt nach einer klassischen und oft gewählten Ausgangssituation klingt, nimmt wie so oft in Miranda Julys Welten einen viel zu lebensnahen und damit absurden Lauf.
»The Future« feierte zwar schon im Februar auf der Berlinale Europa-Premiere, kommt aber erst am 27. Oktober in die deutschen Kinos. Zuvor gibt es drei Previews, bei denen Miranda July auch anwesend sein wird. Karten dafür gibt es im regulären Verkauf.
Previews
23. Oktober | Hamburg | Abaton
24. Oktober | München | Monopol
25. Oktober | Berlin | Kulturbrauerei
Wer neugierig auf Miranda July geworden ist, dem möchten wir an dieser Stelle unbedingt den Kurzgeschichtenband »No One Belongs Here More Than You« (auf Deutsch »Zehn Wahrheiten«) und den Kurfilm »Are You The Favourite Person Of Anybody?« empfehlen. Außerdem lohnt sich unbedingt ein Besuch auf den Webseiten der Künstlerin und des eben erwähnten Buches, um einen Eindruck von Julys Arbeit zu bekommen.
Heute Abend ist Planningtorock zu Gast auf Kampnagel – unser heißer Tipp, um aus einem Montag das Beste rauszuholen. Drei Jahre hat sich Janine Rostron a.k.a. Planningtorock in ihrem Berliner Studio (und in einer dreiwöchigen Residenz auf Kampnagel) verschiedenste Instrumente und Sounds für ihr Album selbst eingespielt, mit dabei sind unter anderem auch LCD-Soundsystem Schlagzeuger Pat Mahoney und der isländischen Klang-Tüftler Hjörleifur Jónsson. Das Album »W« wird hoch gelobt: Hinter einem düsteren Schleier aus einer elektronisch verformten Stimme, elektronischen Pizzicato-Streichern und herunter gepitchten Beats scheine hier eine Welt durch, die ebenso faszinierend wie verstörend ist, schreibt Kampnagel treffend.
Los geht es um 21 Uhr, der Eintritt kostet 17 Euro. Vor Planningtorock wird außerdem rRoxymore spielen, noch so ein Kunstgeschöpf: »In ihrem Solo-Elektronik-Projekt produziert die Wahlberlinerin Hermione Frank hinter einer glitschigen Wrestling-Maske komplexe Basslines, die sich mit ihrem sonoren Keyboard zu schattenhaft pulsierenden Sounds verbinden.« – Das wollen wir sehen.
Info
Planningtorock
Support: rRoxymore
17. Oktober 2011, 21 Uhr
Kampnagel (Jarrestr. 20, Hamburg)
Eintritt 17 Euro
»Print ist tot« heißt es an allen Ecken. Das glauben wir nicht. Sicher, Gadgets wie iPhone, iPad, Kindl und Co. nehmen immer mehr zu, Nachrichten werden im Web konsumiert, Verlage müssen umdenken und unser Leseverhalten befindet sich im Umbruch. Aber das hat nicht das Aussterben von gedruckten Medien zur Folge, sondern eine Selektion im qualitativen Sinne. Denn was Bildschirme nicht leisten können, ist das sinnlich Erlebnis — Haptik, der Geruch und die Struktur des Papiers, Formate und Veredelungstechniken. Wir freuen uns über diese Koexistenz von Digital und Analog, denn wir wissen, dass wir vom Mehrwert beider Medien profitieren werden.
Ein sehr schönes Beispiel für Druckveredelung haben die Menschen von Paperlux geschaffen. Das neue Cover der Designzeitschrift Novum wurde von ihnen konzipiert und wir sind unglaublich begeistert. In dem Video findet ihr die digitale Begründung.
Ein Trailer versprüht Sehnsucht. Nach wie vor zentralster Marketing-Eumel einerseits, geht es doch immer auch um den Wunsch, endlich, nach Jahren des Darbens, dem einen Film, dem Film der Filme zu begegnen. Jenem, der den Durst für immer zu stillen vermag, der Erlöser, Heilsbringer, womöglich Seligsprecher ist und nicht weniger, als das beständige Versprechen von Erleuchtung und Wahrheit einlöst. Mit dieser Unmöglichkeit kämpft jeder Trailer. Und neuerdings auch mit der Diktatur des Spoilers. Manche Menschen sollen ja dazu übergegangen sein, Trailer wie die Pest zu meiden und sich dem Spiel mit der Verführung zu entziehen. Viel Glück & auf Wiedersehen!
Pünktlich zur wirklich wahren Kinojahreszeit gibt es hier eine kleine Sammlung Destilliertes, das von Bildern erzählt, die irgendwo dort draußen existieren sollen. Und gleichzeitig im Hintergrund ein kleiner Meta-Diskurs über die Bedeutung des einen Films, den jeder fährt, der einmal in seinem Leben in einem Kino saß. In zufälliger Reihenfolge (von wegen!), unkommentiert, Spielzeit insgesamt: 29:26 Min. Es sei denn, man guckt alle gleichzeitig. Dann aber bitte in laut.
Der Herbst ist in Hamburg angekommen – höchste Zeit also, den Kleiderschrank winterfest zu machen. Wer da beim Wühlen in den warmen Sachen der letzten Saison nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen mag und seine Garderobe am liebsten einer Generalüberholung unterziehen möchte, dem hilft das LOKAL: Beim Swap am kommenden Sonntag wird getauscht was das Zeug hält, ungeliebte Kleidungsstücke bekommen doch noch eine Chance und ihr im Gegenzug schöne Dinge aus zweiter Hand. Und nicht nur das: Auch last season Modelle von Kauf Dich Glücklich und glore werden zu ertauschen sein.
Die aussortierten Teile werden zunächst (bis Freitag) bei Kauf Dich Glücklich in der Schanze (Susannenstraße 4) gesammelt oder direkt am Sonntag im LOKAL abgegeben und dort nach Zustand bewertet. Für die Anzahl der Punkte, die die abgegebenen Kleider einbringen, kann sich dann nach Lust und Laune an dem zusammengekommenen Klamottenberg bedient werden.
Wie der letzte Swap im LOKAL aussah, könnt ihr übrigens auf deren Facebookseite sehen.
Info LOKAL Swap
Sonntag, 16. Oktober 2011, ab 15 Uhr
Max-Brauer-Allee 207, HH-Altona
Eintritt 3 € (inkl. Getränkegutschein)
Scott Matthew auf Kampnagel 2010 / Foto: Malte Metag
Wir freuen uns, denn am Mittwoch, den 12. Oktober, ist Scott Matthew wieder zu Gast in Hamburg, der bekanntlich zur Reihe unserer Lieblingsbarden gehört. Bereits vor einem knappen Jahr spielte er zusammen mit seinem Kollegen Spencer Cobrin aus seiner Band Elva Snow auf Kampnagel.
Seit seinem letzten Auftritt in Hamburg ist viel geschehen. Nach einer ausgedehnten Tour hat er im Frühjahr seine aktuelle Platte »Gallantry’s Favorite Son« aufgenommen, die seit Sommer draußen ist und die sich, wenn auch nicht so eingängig wie der Vorgänger »There Is An Ocean That Divides And With My Longing I Can Charge It With A Voltage Thats So Violent To Cross It Could Mean Death« von 2009, zu einer unserer liebsten Platten des Jahres avancierte.
Scott Matthew schafft es nur durch seine Stimme, eine Ukulele und mit seinen kleinen großen Songs Räume zu füllen, Gänsehaut zu erzeugen und unsereins zu einem fantastischen Abend zu verhelfen. Davon durften wir uns bereits überzeugen und so empfehlen wir dringend vorbeizuschauen!
Info
Scott Matthew live auf Kampnagel
12. Oktober 2011 / 20:00 Uhr
14,50 € VVK / 18,00 € AK
Affekt nimmt seine Aufgaben ernst. Die Balance zwischen Wochenendzerstreuung und unterhaltsamer Lebenshilfe soll sich im Gleichgewicht befinden. Darum ist die Designkolumne heute eine Ratgeberkolumne und bedient vier Zustände, die jeder visuell interessierte Mensch kennt.
1. Erster Zustand: Zeig’ mir was
Eigentlich möchte man beginnen. Man sitzt am Tisch, die Arbeitssoftware läuft, Getränke steht bereit. Was nun fehlt, ist manchmal eine Idee, manchmal ein Anhaltspunkt. Zuweilen auch der verhängnisvolle Schritt in die heilsame Drei-Stunden-Prokrastination. Für alle diese Dinge sind Moodboard-Blogs geeignet – man weiß nicht, was man bekommt, doch in jedem Fall wird es eine gehörige Menge bunten Durcheinanders sein. Bewegung setzt ein, es kann losgehen. Haw-Lin und Cold Rockin’ sind die ersten Anlaufstellen. Ich möchte dennoch heute Convoy empfehlen – eine stärker sortierte und thematisch zugespitze Auswahl, fast mit Magazincharakter. Ein erfreulicher Einstieg ins Tagewerk.
2. Zweiter Zustand: Früher wars auch nicht besser, aber schöner.
Die eigene Wohnung ist selbstverständlich nie in dem Zustand, in dem sie sein sollte. Der Tisch ist vollgekrümelt, die Stereoanlage ist häßlich und in Ikeaspanplatten eingesargt. herum. Wie gut tut da ein Blick auf Das Programm, die Website einiger Londoner Möbelsammler, die sich auf die Arbeiten von Dieter Rams spezialisiert haben. Alles hier stammt aus den Jahren 1966 bis 1995, also der Zeit, in der Rams für Braun und Vitsœ tätig war. Theoretisch könnte man sich hier auch einen SK5 (aka. Schneewittchensarg) ausleihen oder sogar kaufen. Wie gesagt, theoretisch. Für die meisten Tage sollte ein ausgiebiger Blick auf die schöne Website und ihre noch schöneren Inhalte genügen.